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KONZEPTION FÖRMIG-TRANSFER BERLIN



FörMig-Transfer geht von zwei konzeptionellen Leitbegriffen aus, die im bundesweiten Modellprogramm FörMig (2004–2009) entwickelt wurden:

1. Durchgängige Sprachbildung

Sprache ist das wichtigste Medium für das Lernen in allen Bereichen. Das Verstehen von Sachverhalten ist eng mit dem Lernen von Sprache verbunden. Daher kann die Entwicklung bildungssprachlicher Fähigkeiten von Schülerinnen und Schülern nicht nur an bestimmte Fächer oder besondere Unterrichtsangebote delegiert werden. Sprachliche Bildung muss durchgängig sein. Es ist eine Querschnittsaufgabe aller Bildungseinrichtungen, die ein Kind bzw. ein Schüler durchläuft. Nach dem Verständnis von FörMig umfasst die Durchgängigkeit von Sprachbildung drei Dimensionen:

a. Horizontal betrachtet ist Sprachbildung eine Kernaufgabe im gesamten Kita-Alltag und in allen Unterrichtsfächern der Schule. Sach- und Sprachlernen werden miteinander verknüpft. Über den Unterricht hinausgehende Sprachlernmöglichkeiten werden genutzt – etwa im Ganztagsbereich oder durch Kooperation mit außerschulischen Partnern. Eltern und Familien werden als Partner für die Unterstützung des (Sprach-) Lernens ihrer Kinder einbezogen.

b. Vertikal betrachtet vollzieht sich durchgängige Sprachbildung entlang der Bildungsbiographie von Kindern und Jugendlichen. Sie bezieht sich hier vor allem auf die Übergänge innerhalb und zwischen Bildungseinrichtungen. Es geht um Kooperation und Informationsaustausch zwischen abgebenden und aufnehmenden Einrichtungen im Interesse eines möglichst bruchlosen Bildungsweges von Kindern und Jugendlichen.

c. Sprachlich-funktional betrachtet, werden im Unterricht bewusst einerseits Verbindungen zwischen Alltags- und Bildungssprache, andererseits – soweit möglich – zwischen dem Deutschen (für viele Kinder und Jugendliche als Zweitsprache), den weiteren Familiensprachen und schulischen Fremdsprachen hergestellt.

Dimensionen der Durchgängigen Sprachbildung

2. Bildungssprache

Schulerfolg setzt die Beherrschung einer Sprachebene voraus, die durch Formen von Schriftlichkeit geprägt und damit deutlich abgehoben ist von der allgemeinen, mündlichen Umgangssprache. Je weiter Schüler in ihrer Bildungsbiographie voranschreiten und je mehr sich Unterricht in Fächer ausdifferenziert, umso mehr kommt es darauf an Inhalte ohne erklärende Kontexte, sondern allein mit fachsprachlichen Mitteln verstehen und ausdrücken zu können. Dieses sprachliche Register nennen wir Bildungssprache.

Häufig werden im Unterricht – besonders im Fachunterricht – bildungssprachliche Kompetenzen einfach vorausgesetzt. Damit werden alle benachteiligt, die sie von Haus aus nicht mitbringen. In FörMig-Transfer wird dagegen die Vermittlung von Bildungssprache als explizite Aufgabe der Bildungseinrichtungen verstanden. Sprache als zentrales Medium des Lehrens und Lernens soll in allen Lernbereichen und Fächern bewusst wahrgenommen, bewusst verwendet und bewusst vermittelt werden.

3. Qualitätsmerkmale

Die Sprachförderung von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund und/oder Bildungsbenachteiligung ist eine Aufgabe von Lehrkräften in jedem Unterricht. Sie kann nicht allein in den Verantwortungsbereich von additiven DaZ-Unterrichtsangeboten (DaZ – Deutsch als Zweitsprache) oder des Faches Deutsch übertragen werden.
Die Qualitätsmerkmale für einen Unterricht in sprachlich heterogenen Klassen beinhalten Strategien und Methoden für die Planung und Durchführung eines Unterrichts, der die Entwicklung der bildungssprachlichen Kenntnisse der Schülerinnen und Schüler fördert. Voraussetzung für das Gelingen eines sprachförderlichen Unterrichts ist die Bereitschaft und Kompetenz der Lehrkräfte sich mit den sprachlichen Anforderungen ihres Faches auseinander zu setzen und ihren Unterricht so zu planen, dass er den Schülern das Erlernen der Sprache des Faches im Unterrichtskontext ermöglicht. Die Diagnose der sprachlichen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler ist dafür eine wichtige Grundlage. Für die Lehrkraft ist es wichtig, den Unterschied zwischen Alltags- und Bildungssprache zu kennen und Brücken zwischen beiden Registern herzustellen. Zur Umsetzung eines sprachförderlichen Unterrichts bedarf es differenzierter Methoden für Aufgabenstellungen, Wortschatzarbeit, Sprachverständnis und Sprachproduktion sowie vieler Gelegenheiten, die den Schülern einen individuellen und differenzierten Erwerb der Bildungssprache ermöglichen.
Konstruktive Rückmeldungen und Fehlerkorrekturen können ein zunehmend selbstgesteuertes Lernen fördern.

Sprachförderlichen Unterricht in der täglichen Praxis umzusetzen, bedeutet eine große Herausforderung für jede Lehrkraft und für jede Schule. Die Qualitätsmerkmale können dafür in unterschiedlicher Weise eingesetzt werden: Als fachliche Einführung, als Instrument für eine Bestandsaufnahme bzw. für die jahrgangs- oder schulübergreifende Planung von Unterrichtsentwicklung. Es empfiehlt sich nicht alle Qualitätsmerkmale auf einmal umsetzen zu wollen, sondern Schwerpunkte zu setzen, die auf bereits vorhandene Konzepte an der Schule aufbauen und sie weiterentwickeln. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Qualitätsmerkmale nicht isoliert zu betrachten sind, sondern häufig ineinander greifen (z.B. Diagnose und Bereitstellung sprachlicher Mittel).

4. Durchgängige Sprachbildung braucht Kooperation auf verschiedenen Ebenen

Die Entwicklung durchgängiger Sprachbildung ist eng gebunden an die Entwicklung von Kita und Schule als gesamte Einrichtung und an die Entwicklung von Kooperationen zwischen den Einrichtungen.
FörMig-Transfer unterstützt einzelne Schulen und Einrichtungsverbünde von Kitas und Grundschulen bzw. Grundschulen und Sekundarschulen/Gymnasien (s. beteiligte Einrichtungen) bei dieser schrittweisen Entwicklung. Im Vordergrund steht dabei die Bildung und fachliche Begleitung fester Teams von Lehrkräften und/oder Erzieher/innen, die gemeinsam planen, umsetzen und reflektieren, wie sie das Sprachlernen der Kinder und Jugendlichen wirkungsvoll unterstützen können. Sie entwickeln sich damit zu sog. professionellen Lerngemeinschaften für Durchgängige Sprachbildung.
Die Erfahrungen der FörMig-Schulen zeigen, dass eine kollegiale Zusammenarbeit auf Jahrgangsebene oder auch innerhalb eines Faches, verbunden mit einem regelmäßigen kollegialen Austausch, eine hohe Bedeutung für das Gelingen von Unterrichtsentwicklung an einer Schule hat.

Bildungsnetzwerke auf lokaler oder regionaler Ebene bieten eine günstige strukturelle Voraussetzung für die Entwicklung einer Durchgängigen Sprachbildung. Viele der an FörMig-Transfer beteiligten Einrichtungen sind in solche Bildungsnetzwerke (s. beteiligte Einrichtungen) eingebunden. FörMig-Transfer ist außerdem zusammen mit der Regionalen Fortbildung für Lehrkräfte, dem Jugendamt und der RAA Träger der „Werkstatt Integration durch Bildung“ (WIB) in dem Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg.

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